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Ulmer Wappen


Geschichte der Planung und Inbetriebnahme des Ulmer Hauptbahnhofs ab 1850 bis 1866: Eröffnung und Anschluss an weitere Bahnstrecken .(7a)

Teil II

 

Der Bahnhof Ulm wurde am 1. Juni 1850 zusammen mit dem letzten Abschnitt Biberach (Riß)Ulm der Südbahn(11) offiziell eröffnet. Am 29. Juni 1850 konnte mit der Fertigstellung der Geislinger Steige auch die Württembergische Ostbahn (Filstalbahn) über Göppingen nach Stuttgart in Betrieb genommen werden, sodass durchgehende Züge von Heilbronn nach Friedrichshafen fahren konnten. Damit war die erste durchgehende Eisenbahnlinie Württembergs fertiggestellt. Die Geislinger Steige zwischen Geislingen und Amstetten, die der Überwindung des Albaufstiegs diente, war aus damaliger Sicht eine technische Meisterleistung und erregte in ganz Europa Aufsehen. In Richtung Stuttgart und Friedrichshafen fuhren auf dem dreigleisigen Bahnhof jeweils drei Züge pro Tag. Die Fahrzeit zwischen Ulm und Stuttgart betrug vier Stunden, zwischen Ulm und Friedrichshafen drei Stunden und 15 Minuten. Im Dezember 1850 konnte das Empfangsgebäude des Architekten Ludwig Friedrich Gaab eröffnet werden, das im romantisch-klassizistischen Stil gehalten war. Es bestand aus einem zweigeschossigen Mittelbau, der von dreigeschossigen Seitentürmen eingerahmt wurde, und enthielt im Erdgeschoss eine Vorhalle, zwei Wartesäle, eine Bahnhofsrestauration, einen Gepäckraum, ein Zimmer für das Dienstpersonal, einen Raum für den Portier und zwei Kassenzimmer mit Vorzimmer. Im Obergeschoss befanden sich Magazin- und Wohnräume. Als Materialien wurden Werkstein, Ziegel und Bruchstein verwendet. Zwei versetzt zum Empfangsgebäude angeordnete Einstieghallen wurden 1851 errichtet. Außerdem entstanden ein Lokomotivschuppen, ein Wagenschuppen, ein Güterschuppen, eine Wasserstation und einige weitere Gebäude.(11)  Am 16. April 1851 wurde der Eisenbahntelegraph der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und am 9. Oktober 1851 eröffnete die Bahnhofinspektion Ulm einen Gepäckträgerdienst.

Am 25. April 1850 vereinbarte das Königreich Bayern in einem Staatsvertrag mit dem Königreich Württemberg, die Bahnstrecke München - Augsburg nach Ulm weiterzuführen und dort an das württembergische Bahnnetz anzuschließen. Im März 1852 begannen die Bauarbeiten für die Eisenbahnbrücke über die Donau. Nachdem am 25. Dezember 1853 der erste Zug auf dem Bahnhof Neu-Ulm ankam, wurde dieser am 26. September zusammen mit dem Abschnitt Neu-Ulm - Burgau der Bayerischen Maximiliansbahn offiziell eröffnet. Da die Donaubrücke noch nicht fertiggestellt war, verkehrte eine Pferdedroschke zwischen dem Ulmer und dem Neu-Ulmer Bahnhof. Am 1. Mai 1854 konnte die von Anfang an zweigleisig ausgelegte Donaubrücke vollendet werden.(11)  Diese bestand aus Keupersandstein, war 123 Meter lang und 8,55 Meter breit. Sie wurde zu Ehren der amtierenden Könige von Württemberg und Bayern Wilhelm-Maximilian-Brücke genannt und war auf beiden Seiten durch eiserne Tore verschließbar. Am 1. Juni wurde daraufhin die gesamte Maximiliansbahn von Ulm über Augsburg nach München eröffnet, und der Ulmer Bahnhof wurde zum Bahnknotenpunkt. Auf der neuen Strecke verkehrten täglich vier Züge pro Richtung, wobei Eilzüge drei Stunden 30 Minuten und Personenzüge fünf bis sechs Stunden brauchten. Der Bahnhof wurde als Grenzbahnhof und Wechselstation zwischen Bayern und Württemberg von beiden Königreichen getrennt betrieben. Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen erhielten im Süden des Empfangsgebäudes einen eigenen Flügelbahnhof mit Stumpfgleisen, der den Namen Bayerischer Bahnhof bekam. Da die bayerische Zeit der württembergischen um zehn Minuten voraus war, existierten am Bahnhof zwei verschiedene Uhrzeiten. Ende 1856 wurde die Strecke zwischen Ulm und Neu-Ulm zweigleisig ausgebaut. (12)
 
Im Jahr 1855 wurden erstmals Winter- und Sommerfahrplan getrennt. Am 17. Mai 1856 erfolgte der Anschluss Ulms an den internationalen Handelsverkehr, durch den Holz, Getreide, Tabak, Zement, Ziegel und Kohle für die Dampfmaschinen per Bahn antransportiert werden konnten. Dies wurde nötig, da die Wasserkraft der Blau nicht mehr für den steigenden Energiebedarf ausreichte. Bereits von 1852 bis 1855 hatte Ulm seine Exporte verdoppelt. Im Februar 1856 wurde das Postamt und am 1. Mai 1857 das erste Hotel (Hôtel de Russie) am Bahnhof eröffnet, das später den Namen Zum Russischen Hof bekam. Am 12. Oktober 1862 wurde die Illertalbahn von Neu-Ulm nach Memmingen eröffnet, auf der vier Züge am Tag fuhren und die am 1. Juni 1863 nach Kempten (Allgäu) verlängert wurde. Am selben Tag wurde das zweite Gleis der Filstalbahn von Ulm nach Stuttgart nach vier Jahren Bauzeit in Betrieb genommen. Nachdem bereits am 1. Januar 1861 das Königlich-Bayerische Bahnamt nach Neu-Ulm verlegt worden war, ging der Betrieb des bisherigen württembergisch-bayerischen Gemeinschaftsbahnhofes am 1. Dezember 1863 mit Ausnahme des Fahr- und Lokomotivdienstes vollständig auf Württemberg über. Damit die 1867 fertiggestellte Bahnhofstraße errichtet werden konnte, wurde die Blau ab Januar 1865 teilweise überwölbt. Ende 1866 musste ein Teil der Festungsmauer aus dem Mittelalter abgebrochen werden, um dem Bahnhof einen direkten Zugang zur Innenstadt zu verschaffen. 1866 errichtete der Privatunternehmer Philipp Berblinger am Ende der Karlstraße den Berblinger Bau mit 36 Wohnungen als ersten Ulmer Eisenbahner-Wohnblock. (13)(14)(15)

Weiter zu Teil III von 1867 bis 1891




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