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Ulmer Wappen


 

Geschichte der Planung und Inbetriebnahme des Ulmer Hauptbahnhofs ab 1891 bis 1913: Verlegungspläne und Bau des Rangierbahnhofs. (7a)

Teil IV

Am 1. August 1891 wurde das Ulmer Hauptpostamt am Bahnhofplatz zum Bahnpostamt. Im März 1892 wurde der zweigleisige Ausbau der Maximiliansbahn zwischen Augsburg und Neu-Ulm fertiggestellt, sodass nun die gesamte Strecke von München über Ulm nach Stuttgart zweigleisig befahrbar war. Zum 1. Oktober 1893 wurden die Bahnsteigkarten zum Betreten der Bahnsteige eingeführt. Am 3. November 1894 fuhr von Ulm nach Blaubeuren zum ersten Mal ein Motortriebwagen der Maschinenfabrik Esslingen, der von einem Daimler-Ottomotor angetrieben wurde. Am 27. April 1897 fuhr in Ulm zum letzten Mal ein Ordinarischiff nach Wien ab, da die Donauschifffahrt sich nicht mehr gegen die Eisenbahn durchsetzen konnte. Am 15. Mai 1897 wurde die Straßenbahn Ulm eröffnet, deren erste Strecke auch über den Bahnhofsvorplatz verlief. Im September 1898 wurde ein von Atlanten bekrönter Schalenbrunnen auf dem Vorplatz aufgestellt, der von der Firma Schwenk gestiftet worden war. Innerhalb eines Jahres benutzten vom 1. April 1898 bis zum 31. März 1899 1.211.199 Reisende die Ulmer Bahnhöfe, womit Ulm in Württemberg an vierter Stelle lag. Im Güterverkehr lag Ulm mit 390.864 Tonnen umgeschlagener Güter auf dem dritten Platz. (18)

In den Jahren 1899 und 1900 erwog die Stadt Ulm, den Bahnhof um vier Meter höherzulegen, um die Verkehrsprobleme der Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Ulmer Westen zu lösen. Dieses Projekt wurde von mehreren Experten positiv eingeschätzt, aber wegen der hohen Kosten von mindestens zwölf Millionen Reichsmark nicht weiter verfolgt. Stattdessen gab es von 1901 bis 1902 den Plan, den Personenbahnhof zusammen mit dem geplanten Rangierbahnhof an die Blaubeurer Straße in Ost-West-Richtung zu verlegen und das bisherige Bahngelände zu bebauen. Dabei sollten die Strecken nach Augsburg und Friedrichshafen durch einen Tunnel am Kuhberg an den neuen Bahnhof angeschlossen werden und Neu-Ulm umfahren werden. An dieser neuen Strecke sollte im Stadtteil Söflingen ungefähr an der heutigen Königstraße ein neuer Südbahnhof errichtet werden. Auch dieses Projekt wurde von der Eisenbahnverwaltung wegen zu hoher Kosten abgelehnt.

1901 wurde mit dem am Bahnhofplatz gegenüber dem Empfangsgebäude gelegenen Münsterhotel ein weiteres Bahnhofshotel eröffnet. Am 1. Oktober 1904 wurde die von 1903 bis 1904 erbaute Mohrenkopfbrücke über die südlichen Ausfahrgleise des Bahnhofs fertiggestellt, die später nach dem Festungsgouverneur Rudolf von Zingler in Zinglerbrücke umbenannt wurde. Zuvor war zwischen der Stadt und der Staatsbahn jahrelang um die Ausführung als Überführung oder Unterführung gestritten worden. Mit Eröffnung der Brücke wurde der schienengleiche Übergang an der Ehinger Straße geschlossen. Ab März 1906 plante die Stadt Ulm eine Gleisunterführung zwischen der Bahnhofstraße im Osten und der Schillerstraße im Westen des Bahnhofs, die jedoch nicht verwirklicht wurde.

Da die bisherige Güterbehandlungsanlage den steigenden Güterverkehr nicht mehr aufnehmen konnte, wurde ein im Osten des Ulmer Bahnhofes an der Donautalbahn gelegener Güter- und Rangierbahnhof dringend benötigt. 1899 erstanden die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen 67.259 Quadratmeter Festungsgelände, um es für den Rangierbahnhof zu nutzen. Am 25. September 1902 gestattete der württembergische König Wilhelm II. der Eisenbahnverwaltung, die benötigten Grundstücke zwangszuenteignen, sodass 1903 mit dem Bau des Rangierbahnhofes begonnen werden konnte. Im Oktober 1906 wurde auf einem Teil des neuen Rangierbahnhofs der Betrieb aufgenommen. Am 28. April 1907 wurde der neue Bahnhof Ulm-Söflingen an der Donautalbahn am westlichen Ende des Rangierbahnhofs in Betrieb genommen, der den bisherigen Söflinger Bahnhof von 1868 ersetzte. Im Juli 1907 wurde die zur Überquerung der Filstalbahn und der Brenzbahn dienende Neutorbrücke im Norden des Ulmer Bahnhofs vollendet, die 112 Meter lang, 11,6 Meter breit und 600 Tonnen schwer war. Während die Eisenkonstruktionen und Pfeiler der Staatseisenbahn gehörten, wurde die Fahrbahn von der Stadt Ulm unterhalten. Am 7. Januar 1908 wurde in der Bahnhofsvorhalle der erste Fahrkartenautomat aufgestellt. Im Spätsommer 1910 wurde die Bahnhofsmission Ulm gegründet. Am 12. Juni 1911 erfolgte schließlich die endgültige Fertigstellung des Rangierbahnhofs, und der Bahnhof Ulm wurde in Ulm Hauptbahnhof (11)umbenannt.  Am 19. März 1912 wurde der zweigleisige Ausbau der Donautalbahn von Ulm bis Söflingen und 1913 der bereits 1905 begonnene zweigleisige Ausbau der Südbahn Ulm - Friedrichshafen abgeschlossen.

Um die Industrie- und Gewerbegebiete im Osten und Westen der Stadt an den Rangierbahnhof anzubinden, wurden Industriegleise erforderlich. 1907 wurden die 3,8 Kilometer langen Industriegleise Ulm-West erbaut, die mit fünf Stammgleisen 40 Firmen anbanden. Von 1910 bis 1911 wurden die bereits 1897 projektierten 1,3 Kilometer langen Industriegleise Ulm-Ost errichtet, die bis zum 9. Mai 1979 in Betrieb waren und dann abgebaut wurden. (19)(20)

Der Gesamtpersonenverkehr im Etatjahr 1902/3 betrug in Ulm, einschließlich Stuttgarter Tor (Ostbahnhof), 1 386 194 Personen. Ulm steht damit an 7. Stelle unter den 496 Eisenbahnstationen in Württemberg. Im Eisenbahnkassenverkehr nimmt Ulm mit 3 615 170 Mark den 2. Platz ein. (30)
 



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