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Ulmer Wappen


Geschichte des Ulmer Hauptbahnhofs ab 1939–1949: Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau (7a)

Teil VI

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurden am 1. Dezember 1941 zum ersten Mal Ulmer Juden deportiert. Bis zum Februar 1945 transportierte die Deutsche Reichsbahn in den insgesamt sieben Deportationen 116 Ulmer Juden zu den Konzentrationslagern, wobei die meisten zum KZ Theresienstadt gebracht wurden. Ab dem 23. März 1942 wurden private Bahnreisen immer weniger geduldet. Am 16. März 1944 erfolgte der erste Luftangriff auf den Ulmer Hauptbahnhof, bei dem Schäden im südlichen Bereich des Bahnhofs entstanden und zwei Bahnbedienstete getötet wurden. Diesem folgten weitere Angriffe in den Monaten Juli, August und September, die jedoch nicht zur Einstellung des Bahnbetriebs führten. Am 17. Dezember 1944 wurde der schwerste Luftangriff auf Ulm ausgeübt, wobei 65 Spreng- und etwa 3500 Brandbomben auf die Bahnanlagen abgeworfen wurden. Es wurden sämtliche Gleisanlagen, das Bahnhofsgebäude von 1850 und alle Nebengebäude zerstört, sodass ein weiterer Bahnbetrieb nicht möglich war und der gesamte Betrieb auf die Vorbahnhöfe verlegt werden musste. Erst am 9. Januar 1945 konnte der gesamte Reisezugverkehr wieder aufgenommen werden. Am 25. Februar 1945 gab es erneut einen Luftangriff auf den Bahnhof, bei dem die Wallstraßenbrücke zerstört wurde und dem bis zum 19. April acht weitere folgten. Am 19. April 1945 erfolgte der nächste schwere Luftangriff auf den Haupt- und Rangierbahnhof, der zur vollständigen Einstellung des Betriebs führte. Am 23. April 1945 verließen alle Eisenbahnbediensteten den Bahnhof und gingen nach Laupheim. Am 24. April 1945 wurde beim Einmarsch der US-Truppen die Eisenbahnbrücke über die Donau zwischen Ulm und Neu-Ulm gesprengt. Alle Objekte, die die US Air Force zuvor zur Zerstörung bestimmt hatten, waren zerstört worden.

Im Mai 1945 wurde eine hölzerne Behelfsbrücke als Ersatz für die gesprengte Eisenbahnbrücke über die Donau errichtet. Im selben Monat wurde die in einer Bahnhofsbaracke beheimatete Christliche Bahnhofshilfe gegründet, die Mitte 1946 im Durchschnitt täglich 3000 Reisende betreute. Von April 1949 bis zum Abriss der Baracke Mitte Dezember 1952 übernachteten dort insgesamt 28.200 Personen. (25) Am 16. Mai 1945 verkehrten wieder erste Dienstzüge für die Franzosen und Amerikaner zwischen Friedrichshafen und Ulm und am 8. Juni 1945 übernahm die Deutsche Reichsbahn den Betrieb auf der Bahnstrecke von Kornwestheim über Stuttgart und Ulm nach Augsburg. Ab dem 29. Juni konnten wieder elektrische Züge von Ulm nach Neu-Ulm fahren, jedoch wurde am 30. Juni der zivile Reiseverkehr zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone verboten, was unter anderem die Südbahn betraf. (21) Am 21. August 1945 fuhren am Hauptbahnhof Ulm täglich 24 Personenzüge, von denen die meisten als Besatzungs- und Dienstzüge verkehrten. Am 3. September konnte der zivile Güterverkehr wiederaufgenommen werden. Zum 19. Dezember 1945 wurde wegen Kohlemangel der private Personenverkehr kurzzeitig ganz eingestellt, um die lebenswichtigen Nahrungsmitteltransporte weiter durchführen zu können, und am 1. April 1946 nach der Wiederaufnahme des Verkehrs die Fahrpreise um 150 Prozent erhöht. Am 29. April konnte der Rangierbahnhof Ulm wiedereröffnet werden und die Bahnsteigunterführung am Hauptbahnhof wieder zugänglich gemacht werden. Von 1945 bis 1959 war Ulm wegen seiner Lage als letzte Stadt vor der französischen Besatzungszone und bedeutender Verkehrsknotenpunkt die wichtigste Lagerstadt in Süddeutschland. In den Jahren 1945 bis 1948 kamen über 200.000 Kriegsheimkehrer und 300.000 Flüchtlinge aus Osteuropa am Ulmer Bahnhof an. (26)

Ab dem 18. Mai 1946 konnte auf der von Schutt freigeräumten Bahnhofstraße wieder Verkehr stattfinden. Im Sommerfahrplan 1946 wurde Ulm von 60 Reisezügen am Tag bedient, und ab dem 16. Juni 1946 wurde wieder durchgehender Personenverkehr auf der Bahnstrecke Stuttgart–Ulm durchgeführt. Von Oktober bis Dezember 1946 wurde auf dem Bahnhofsplatz hinter der Baracke der Reichsbahn eine weitere Baracke errichtet, die als Bahnhofsgaststätte diente. Dabei wurden Backsteine des im Krieg zerstörten Hotels Zum Russischen Hof als Baumaterial benutzt. 1947 erstellte die Stadt Ulm Pläne zur Verlegung des Hauptbahnhofs, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Es gelang ihr allerdings, die von der Reichsbahn geplante Erweiterung der Bahnanlagen nach Osten zu verhindern. Im März 1947 wurde die Bahnhofhotel-Gaststätte, die in einem Behelfsbau untergebracht war, als Ersatz für das zerstörte Bahnhofshotel eröffnet. Im selben Monat wurde die mit einer Dampflokomotive befahrene Ulmer Trümmerbahn zwischen der Innenstadt und der Friedrichsau in Betrieb genommen, die bis 1955 1,2 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt in die Aufbereitungsanlagen brachte und am 31. März 1955 wieder stillgelegt wurde. Im April 1948 wurde die Ruine des Hauptpostamtes am Bahnhofplatz enttrümmert und bis zum 12. Dezember 1948 am Freiladegleis eine Baracke für die Post errichtet. Am 23. Mai 1949 wurde der von 1877 stammende Bahnhofsteg abgerissen. Dieser war am Ende des Krieges schwer beschädigt worden, aber noch begehbar. Als Ersatz sollte anfangs die Bahnsteigunterführung zur Schillerstraße auf der Westseite der Gleise verlängert werden. Der Plan wurde jedoch zugunsten eines neuen Bahnhofstegs aufgegeben. (27)

Weiter zu Teil VII von 1949 bis 1981

 




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