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Ulmer Wappen


Geschichte der Planung und Inbetriebnahme des Ulmer Hauptbahnhofs ab 1914–1939: Erster Weltkrieg und Elektrifizierung. (7a)

Teil V

Im Ersten Weltkrieg wurden von 1914 bis 1918 unter anderem Truppen, militärischer Nachschub, Kriegsgefangene und Automobile durch den Bahnhof transportiert. Am 19. Oktober und vom 5. bis zum 15. November 1919 musste wegen Kohlenmangels erstmals der Personenverkehr auf sämtlichen württembergischen Bahnstrecken eingestellt werden. Am 1. April 1920 wurden aus der Königlich-Württembergischen Staatseisenbahn und allen anderen deutschen Länderbahnen die Deutschen Reichseisenbahnen, die dann 1924 in der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft aufgingen. Im Januar und Februar 1922 kam es wegen Streiks und Kohlenmangel erneut zu Einschränkungen im Bahnverkehr. 1923 wurde der Bahnhofplatz umgestaltet. Ab Juli 1930 bewältigte der D 208 als schnellster württembergischer Zug die 104 Kilometer lange Strecke Ulm - Friedrichshafen in 78 Minuten.

Im September 1931 mussten bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke von Stuttgart über Ulm nach Augsburg die Gleise unter der Zingler-, der Neutor- und der Wallgrabenbrücke abgesenkt werden, da sich die Mindestdurchfahrhöhe aufgrund der Montage der Fahrleitung um 1,20 Meter erhöhte. Im selben Monat wurde der Doppeltunnel an der Filstalbahn, der früher zur Unterführung der Festungsmauer gedient hatte, abgebrochen und eines der alten Tunnelportale im April 1932 am Bahnhof Ulm Ost aufgestellt. Der Bahnhofsteg vom Bahnhofplatz zur Schillerstraße musste im Februar 1932 um 1,20 Meter angehoben werden, um die Oberleitung darunter durchzuführen. Im April 1933 wurde das Empfangsgebäude neu verputzt, um es auf die feierliche Fertigstellung der Elektrifizierung vorzubereiten. Am 25. April 1933 wurde der elektrische Betrieb auf der Maximiliansbahn Augsburg - Ulm eröffnet, und der Personenzug 906 mit der Lokomotive E 32 31 traf als erster elektrischer Zug aus Augsburg am Ulmer Hauptbahnhof ein. Am 5. Mai 1933 konnte ebenfalls der elektrische Betrieb auf der Filstalbahn Stuttgart - Ulm mit dem Eintreffen des ersten elektrischen Zuges aus Stuttgart aufgenommen werden.

 

erster E-Zug aus Stuttgart

Erster elektische Zug von Stuttgart am 5.5.1933

Die offiziellen Feierlichkeiten zur Elektrifizierung der gesamten Bahnstrecke von Stuttgart nach Augsburg fanden jedoch erst am 30. Mai 1933 statt. Die von 1877 stammende Blaubeurer-Tor-Brücke im Norden des Bahnhofs wurde im Juni 1932 abgerissen und durch einen als Stahlkonstruktion ausgeführten Neubau ersetzt, der am 13. Juli 1933 eröffnet wurde. Mit einer Länge von 226 Metern, einer Breite von 17,7 Metern und einem Gewicht von 1600 Tonnen war er die größte Brücke in Ulm.

Am 10. November 1933 wurden auf der 86 Kilometer langen Strecke Augsburg - Ulm und auf dem 71 Kilometer langen Abschnitt Ulm - Plochingen der Filstalbahn Probefahrten durchgeführt, bei denen die beiden Strecken jeweils bei einer Geschwindigkeit von bis zu 152 km/h in 54 Minuten zurückgelegt wurden. Im Januar 1935 fanden auf der Bahnstrecke Stuttgart - Ulm Versuchsfahrten mit dem ersten neuen Einheits-Wechselstrom-Triebwagen statt, bei denen auf der Geislinger Steige 100 km/h statt den bisherigen 35 km/h erreicht wurden, womit die Filstalbahn ohne Halt in einer Stunde zurückgelegt werden konnte. 1937 begann der zweigleisige Ausbau des Abschnittes Söflingen - Herrlingen der Donautalbahn, der 1939 vollendet wurde. (21) Vom 1. November 1937 bis zum 31. März 1941 verkehrte eine Schnellbuslinie der Deutschen Reichsbahn von Stuttgart nach Ulm über die neue Reichsautobahn. (22)  Am 17. Dezember 1938 wurden die Umbauarbeiten am Bahnhofsgebäude, die im Sommer begonnen worden waren, abgeschlossen. Dabei wurde die Bahnhofswirtschaft der dritten Klasse durch einen 13 Meter breiten Durchgang zu den Bahnsteigen ersetzt und die Bahnhofswirtschaft der zweiten Klasse zu einem Toilettenraum umgebaut. Am 14. April 1939 musste die Bahnhofsmission durch einen Erlass des Reichsverkehrsministeriums zugunsten der bereits 1936 eingerichteten Bahnhofsdienste der NS-Frauenschaft ihre Arbeit aufgeben. (23)(24)

 

Weiter zu Teil VI von 1939 bis 1949

 




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