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Ulmer Wappen

Gründer der Schwenk-Dynastie

Zementfabrik

Schwenk Johannes (55)
*15.11.1774 in Nerenstetten,  † 16.51855 in Ulm

Der aus einer Langenauer Kaufmannsfamilie Stammende Schwenk legte mit dem Standortwechsel seiner Familie nach Ulm und dem planmäßigen Ausbau des Ulmer Kupferhammers die Grundlage für ihren Aufstieg zu einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Industriellendynastien im deutschen Südwesten. Der 36-jährige Schwenk übernahm, nachdem ihn nach Abschluss seiner Kupferschmied-Lehre die Wanderschaft bis nach Norwegen geführt hatte, am 18. April 1811 den im Jahre 1800, also noch zu reichsstädtischer Zeit, gegründeten und schnell weit über die Grenzen Ulms hinaus bekannt gewordenen Kupferhammer auf der Ulmer Blauinsel.
Durch Einheirat in die Familie Leipheimer, zu der schon zuvor Bindungen bestanden hatten - seine Tante Barbara war die Mutter seiner Ehefrau - schuf sich Schwenk eine finanzielle Grundlage, die seine großen Pläne erst ermöglichte. Er verstand es, durch Kauf und Tausch seinen Grundbesitz zu arrondieren und den Kupferhammer zum führenden Unternehmen seiner Art im Königreich Württemberg auszugestalten. Der Ulmer Festungsbau drohte allerdings in den 1840er Jahren die Geschäfte der Familie Schwenk hart zu torpedieren, größere Grundstücke mussten abgegeben werden, was letztlich zum Eingehen der von seinem Sohn Eduard Schwenk gegründeten Messingfabrik kurz nach Schwenks Tod 1857 führte. Der Kupferhammer existierte bis 1887. Schwenk war eine Unternehmerpersönlichkeit alten Schlages, der viel von seinen Mitarbeitern verlangte, aber auch selbst viel einbrachte. Man weiß, dass Schwenk einen fest geregelten Tagesablauf befolgte, um fünf Uhr morgens aufstand, um sechs Uhr frühstückte und sich dann in den Betrieb begab, wo seit fünf Uhr gearbeitet wurde. Nur samstags habe er Freunde besucht. Bereits bei der ersten Wahl zum Bürgerausschuss im Sommer 1817 gelang dem zu den höchstbesteuerten Ulmer Bürgern zählenden Schwenk der Einzug in das bürgerliche Kollegium, im Okt.
1819 als Vertreter der höchstbesteuerten Handwerker "vor den Toren" auch der Sprung in den Ulmer Gemeinderat ( Magistrat ). 1825 verfehlte Schwenk jedoch den Wiedereinzug in den Gemeinderat und verzichtete daraufhin auf weitere Bewerbungen. Schon 1821 hatte Schwenk allerdings in einer Anzeige gebeten, ihn nicht mehr zu wählen, da der zeitliche Aufwand für ihn zu groß
sei. Auf politische Betätigung verzichtete er hingegen nicht. Schwenk blieb einer der führenden Ulmer "Aktivbürger", der u. a. 1831 die Bewerbung von Professor Christian Schwarz für den Landtag mit durchsetzte. Schwenk errichtete im Garten des ehemaligen Klarissinenklosters in Söflingen einen Drahtzug an der Blau.


Die Schwenk - Dynastie

Zementfabrik, erster Nachfolger

Schwenk Eduard (56)
* 21.12.1812 in Ulm, †  6.5.1869 in Ulm

Der Gründer des Ulmer Zementwerks zählt zu den Industriepionieren Südwestdeutschlands. Geboren und aufgewachsen in Ulm, durchlief Schwenk eine Handwerkerausbildung, ehe er in die Kupferhammerschmiede seines Vaters eintrat. Nachdem er 1844 ein Messingwalzwerk gegründet hatte (1857 aufgegeben), errichtete Schwenk schon im Juli 1847 in Söflingen ein Zementwerk, da er mit Blick auf den Erfolg Gustav Leubes die großen Aussichten der Zementproduktion erkannte. Fortan Kupferhammerbesitzer und Zementfabrikant in Ulm, vermochte Schwenk mit diesen Schritten der Tatsache, dass er in Folge des Festungsbaus ein großes Grundstück hatte abtreten müssen, durch Verlegung auch positive Seiten abzugewinnen. Es ist sogar möglich, das Schwenk mit seinem mutigen Schritt, auf eine völlig andere Produktion auszuweichen, den Untergang des Familienunternehmens abgewendet hat. Schwenk zählte spätestens seit der Revolution von 1848/49 zu den
höchstbesteuerten Ulmer Bürgern. Sein Zementwerk entwickelte sich in rasantem Tempo zum größten Werk dieser Art in Oberschwaben. Die Zementsteine wurden in Allmendingen/ OA Ehingen und in Blaubeuren-Gerhausen gebrochen, in Allmendingen in Schachtöfen gebrannt und in der Söflinger Zementmühle mittels Wasserkraft gemahlen. Das Produkt, genannt Romanzement, war sehr gefragt und wurde u. a. bei den Festungs- und Bahnbauten in Ulm genutzt, daneben auch bei den Kunstbauten der schweizerischen Nordostbahn und von 1853 bis 1855 zum Bau des Seehafens in Romanshorn auf der schweizerischen Bodenseeseite. 1866 ließ Schwenk weitere Schachtöfen errichten und modernisierte das Zementwerk Söflingen in der Weise, dass zur Produktion von Portlandzement übergegangen werden konnte. Gegen Ende seines Lebens
schritt Schwenk zum Aufbau des Zementwerks Blaubeuren, um die unrationellen Transportwege zu umgehen und die Produktion an einem Ort zusammenzufassen. Der kontinuierliche Ausbau seiner Produktion nach modernen Gesichtspunkten sicherte ihm und seinen Nachfolgern langfristigen Erfolg. Der Welterfolg der Firma Schwenk war allerdings ein Werk seines Sohnes Carl Schwenk sen.

Auch in der Ulmer Kommunalpolitik spielte Schwenk eine Rolle. Im Juni 1852 wurde er in den Bürgerausschuss gewählt, im Juli 1856 wiedergewählt.
Eine Kandidatur für den Gemeinderat ist nicht nachweisbar. Schwenk war eine feste Größe im gesellschaftlichen Leben Ulms. Er gehörte unter anderem der
Honoratioren-Kegelgesellschaft in Wassermanns Garten am Frauentor an. Er starb überraschend im 57. Lebensjahr.

Die Schwenk - Dynastie

Zementfabrik, zweiter Nachfolger

Carl Schwenk (57)
* 12.9.1852 in Ulm, † 18.12.1942 in Ulm


Als einer der bedeutendsten Industriellen seiner Zeit, war
Kommerzienrat Schwenk eine Symbol-Figur des wirtschaftlichen Booms in der Kaiserzeit. Er produzierte, was die baufreudige Zeit benötigte: Zement. Schwenk wurde hineingeboren in eine Familie des wohlhabenden
Ulmer Großbürgertums. Nach dem Besuch der Oberrealschule
durchlief er eine kaufmännische Ausbildung in Stuttgart und
leistete seinen Militärdienst als Einjähriger Freiwilliger beim
Feldartillerie-Rgt.. Nr. 15 ab, dessen Reserve-Offizier er lange Zeit war. In Zürich widmete sich der junge Schwenk dem Studium der Chemie und der Naturwissenschaften, hörte auch technische Vorlesungen und bereiste die Schweiz, Italien und Frankreich, um sich praktische Kenntnisse anzueignen. 1876 trat er im Alter von 24 Jahren in die väterliche Firma ein, die seit dem frühen Tod seines Vaters von seiner Mutter geleitet wurde. Drei Jahre später übernahm er die Geschäftsführung selbst und war
Alleininhaber des Unternehmens. Er setzte auf die konsequente Fortentwicklung der Produktion durch die Herstellung von künstlichem Portlandzement und legte 1887 das Kupferhammerwerk, die Grundlage für den Aufstieg der Familie, still. Schwenk erwarb in Allmendingen/ OA Ehingen ein Steinbruch- und Fabrikgelände und ließ dort 1888/89 eine neue Zementfabrik errichten, später kamen Filialen in Mergelstetten und Herrlingen hinzu. Die Umstellung der Produktion von natürlichem auf künstlichen Portlandzement sicherte dem Unternehmen auf Grund der besseren Verwendungsmöglichkeiten des Produkts nicht nur das Überleben, sondern den Aufstieg zu internationaler
Geltung. Schwenk selbst stellte nicht nur Rohre und Zementwaren her sondern bereits seit den 1880er Jahren auch Kunststeine. 1896 begann die Firma als erste mit der sog. Terrazzo-Produktion. 1897 konnte das 50-jährige Bestehen der Firma gefeiert werden, was gebührend begangen wurde. König Wilhelm II von Württemberg zeichnete Schwenk aus diesem Anlass mit dem
Ritterkreuz I. Kl. des Friedrichsordens aus. Im Jubiläumsjahr beschäftigte die Firma 450 Arbeiter und produzierte
jährlich 700 000 Zentner Zement. 1889 gründete er eine Betriebskrankenkasse, deren Vorsitz Schwenk 40 Jahre lang führte, bis er ihn im Dez. 1929 aus Altersgründen an Direktor Dr. Großmann abgab. 1889 und 1903 erwarb Schwenk, den bei den Ulmern liebten, seit geraumer Zeit getrennten Grundbesitz des Oberberghofes und vereinigte ihn wieder. Obwohl er sich mit wachsendem Alter mehr und mehr aus der Geschäftsleitung zurückzog, blieb Schwenk doch bis zu seinem Lebensende mit seiner Firma geradezu verwachsen. Der deutschnational-kaisertreu eingestellte Schwenk
war ein aktiver Ulmer Kommunalpolitiker. Wiederholt hielt er Ansprachen und Reden zu patriotischen Gedenktagen, so 1910 zur 40. Wiederkehr des Jahrestages der Schlacht von Sedan. Im Dez. 1891 wurde Schwenk erstmals in den Ulmer Bürgerausschuss gewählt, im Jahr darauf war er bei der Wahl nicht erfolgreich, im Dez. 1893 zog er wieder in den Bürgerausschuss ein, im Dez. 1895 gelang ihm auch erstmalig der Einzug in den Gemeinderat, vier Jahre später verfehlte er jedoch auch in diesem Gremium die
Wiederwahl. Erst 1901 zog er wieder in den Gemeinderat ein, 1907 konnte er sein Mandat erneuern. 1913 schied Schwenk aus dem Gemeinderat aus. Daneben war er seit 1907 auch Mitglied des ev. Kirchengemeinderats.
Schwenk war reich und einflussreich, einer der höchstbesteuerten Ulmer Bürger, der Idealtypus des kaiserzeitlichen Honoratioren. 1903 ernannte ihn der König von Württemberg zum Kommerzienrat. 1906 stiftete er mit seiner Frau das Patriarchen-Fenster
im Ulmer Münster. Am 6. Mai 1936 wurde in Ulm ein
Schwenk'scher Familientag abgehalten, zu dem mehr als 250
Namensträger erschienen. Der renommierte Genealoge Albrecht Rieber hielt bei dieser Gelegenheit einen familiengeschichtlichen Vortrag. Schwenk starb im 91. Lebensjahr in seiner Heimatstadt Ulm.


 

Die Schwenk - Dynastie

Zementfabrik, dritter Nachfolger

Carl Schwenk jun. (58)
* 16.5.1883 in Ulm, † 23.4.1978 in Ulm

 
 
Als einziger Sohn eines überaus erfolgreichen und dominanten Vaters und Unternehmers trat Schwenk kein leichtes Erbe an, als er nach dem Soldatentod seines älteren Schwagers in die Firmenleitung hineinwuchs.
Schwenk studierte an der TH Zürich Ingenieurwissenschaften und an der Universität Leipzig Chemie. Ab 1913 im Familienunternehmen beschäftigt, nahm er als Rittmeister d. R. am Ersten Weltkrieg teil. Er wurde von seinem Vater frühzeitig in die Geschäftsführung der Zementwerke Eduard Schwenk in Ulm geholt, deren Seniorchef er zuletzt war. Schwenk  verstand es, die herausragende Stellung des Unternehmens über schwierige Zeiten zu retten und seinen Namen als bedeutender Förderer öffentlicher Belange und Mäzen im Gespräch zu halten. Von seinen zahlreichen Ehrenämter seien der Vorsitz des
Münsterbauvereins und ab 1939 das Amt des Gaujägermeister für Württemberg Süd genannt. Im Okt. 1944 war Schwenk  Besucher
bei Generalfeldmarschall Erwin Rommel in dessen Haus in Herrlingen. Bei dieser Gelegenheit, so , habe  Rommel gesagt:
"Jetzt waren wir wenigstens noch einmal zusammen. Es ist aber das letzte Mal. Sie bringen mich um."
Schwenk starb einen Monat vor Vollendung des 95. Lebensjahres. - Ehrenbürger von Allmendingen, Karlstadt, Michelbach und Thalfingen; 1961 Ehrensenator der TH Stuttgart; 1964 Bürgermedaille der Stadt Ulm; Goldene Ehrennadel der Deutschen Jägerschaft; 1953 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland-
 
 
 
 
 
 

Die Schwenk - Dynastie

Zementfabrik, vierter Nachfolger

Schwiegersohn

Eberhard Schleicher (59)
* 28.2.1926 in Stuttgart, † 21.4.2007 in Ulm

 
 
 
Der Träger der Medaille der Stadt Ulm (1996) und der Carl-Schwenk-Nadel des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie e. V. "hat über fünf Jahrzehnte  die Entwicklung unserer
Unternehmensgruppe maßgeblich gestaltet und geprägt", hieß es im Nachruf der Unternehmensgruppe Schwenk. In der Presse war von einem der großen Ulmer Unternehmer die Rede, der die Schwenk-Zement KG in den 80 er und 90 er Jahren zu einem der führenden Unternehmen der deutschen Baustoffindustrie gemacht habe (SWP). Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner würdigte Schleicher als eine Unternehmerpersönlichkeit mit vorbildlichem Verantwortungs-Bewusstsein für die Gesellschaft. Mit seinem selbstlosen Einsatz für das Allgemeinwohl  hat er bleibende Verdienste erworben und Spuren in Ulm hinterlassen, so Gönner in einem Kondolenzschreiben. Schleicher wurde im Feb. 1942 zur Wehrmacht eingezogen und war Soldat, bis er in Gefangenschaft geriet. Im Spätsommer 1945 wieder in der Heimat, studierte er zunächst an der TH Stuttgart, anschließend von 1947 bis 1950 an der Universität Tübingen. Nachdem er 1949 die Diplomprüfung für Volkswirte bestanden hatte, promovierte er 1950 mit der Arbeit „Die Verselbständigung der Leihzinstheorie“ bei Prof. Dr. Hans Peter (Universität Tübingen). Anschließend war er Angestellter einer privaten Treuhandgesellschaft. 1954 erfolgte die entscheidende Weichenstellung seines Lebens, als er mit der Einheirat in die Familie Schwenk in die Geschäftsleitung der E. Schwenk Zementwerke KG eintrat, des größten Familienunternehmens der deutschen Zementindustrie. Bereits im Vorjahr war er in dessen Dienste getreten. 1966 geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter ebd., 1978 nach dem Tod seines Schwiegervaters allein verantwortlicher Leiter des  Unternehmens. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen, das er neu aufstellte. Am Hindenburgring entstand die neue Hauptverwaltung, nach dem Fall der Mauer engagierte sich Schleicher frühzeitig in den neuen Bundesländern und erwarb das Zementwerk Bemburg (Sachsen-Anhalt), das sich nach weniger als zwei Jahren Bauzeit zum größten und  modernsten seiner Art in Europa entwickelte. Präsidiums- und Vorstandsmitglied, zeitweise Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie und von dessen Forschungsinstitut. "Er habe die Unabhängigkeit unserer Firmengruppe (....) mit klugen, strategisch weit vorausschauenden Entscheidungen gewahrt und gefestigt und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen"  Schleicher lagen Natur- und Umweltfragen sowie die Jugendarbeit besonders am Herzen. Er war von 1975 bis 2003 Mitglied des Aufsichtsrats der Heidelberger Zement AG (bzw. HeidelbergCement) und der Wieland-Werke AG, Ulm/ Donau bis 2002 Mitglied des zentralen Verwaltungsrates der Dresdner Bank AG. Schleicher starb wenige Wochen nach seinem 81. Geburtstag. Die Trauerfeier für den Verstorbenen fand am 2. Mai 2007 im Ulmer Münster statt, die Beisetzung auf seinen Wunsch im engsten Familienkreis. Schleicher zählte zu den 50 reichsten Persönlichkeiten in Deutschland. - Ehrenbürger von Allmendingen, Heidenheim und Karlstadt. 1984 Ehrensenator der Universität Tübingen. Bundesverdienstkreuz I. Kl.

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