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Ulmer Wappen

Vorwort

Auch wenn die Firma "Pflugfabrik Gebr. Eberhardt heute nicht mehr in Ulm besteht, so hat sie, wie auch die anderen verschwundenen Firmen Magirus, Karl Kässbohrer, Telefunken usw. doch großen Anteil am Aufbau unserer Stadt nach 1945. In den Nachkriegsjahren gab es kaum eine Familie bei der nicht mindestens ein Familienmitglied bei einen dieser Firmen arbeitete.   


Chronik der Firma "Pflugfabrik Gebr. Eberhardt, Ulm" von 1854 bis Heute (65)

Pflugfabrik Rberhardt, Ulm
 
Das Unternehmen wurde 1854 von den beiden Brüdern Albert (gelernter Wagner) und Wilhelm Eberhardt (gelernter Schmied) in der väterlichen Werkstatt in der Deinselsgasse in Ulm gegründet. Die beiden Brüder wollten dort feine Kutschen für reiche Bürger und den Adel in Württemberg herstellen. Da die Nachfrage aber nicht ausreichend war, begannen sie mit der Herstellung von Bauernwagen und landwirtschaftlichen Geräten, insbesondere von Pflügen.

1859 stellte die Firma Eberhardt ihren ersten komplett aus Eisen gefertigten Pflug vor, der weitgehend von Wilhelm Eberhardt entwickelt worden war.

1863 erfolgte der Umzug von der zu klein gewordenen Werkstatt in der Deinselsgasse in neue Geschäftsräume in der Promenade, der heutigen Olgastraße. Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen 12 Gesellen. 1864 stieg der Ulmer Unternehmer Conrad Dietrich Magirus als Kommanditist in das Unternehmen ein, das damals auch Feuerwehrgeräte herstellte. So stellte die Firma Eberhardt 1865 auf dem 6. Deutschen Feuerwehrtag in Leipzig verschiedene von Conrad Dietrich Magirus entworfene Feuerwehrgeräte aus. Bereits zwei Jahre später trennte sich Magirus wieder vom Unternehmen der Eberhardt-Brüder und gründete ein eigenes Unternehmen, die Firma Magirus.

In den 1870 er Jahren gewann die Firma Eberhardt auf Ausstellungen, darunter auch die Weltausstellung 1873, zahlreiche Auszeichnungen für ihre Produkte. 1874 wurden die Geschäftsräume um die Gebäude der ehemaligen Tabakfabrik Bürglen erweitert, die vor dem Neutor lagen.

1878 wurde ein eiserner Dachstuhl für das Ulmer Münster hergestellt.

Da die Räumlichkeiten aber wieder zu klein waren, entschlossen sich die beiden Brüder 1880 eine Fläche außerhalb der östlichen Stadtgrenze auf der Unteren Bleiche (heute Friedrichsau), das Gelände der ehemaligen Beck'schen Papiermühle, zu kaufen. Dort entstanden dann zwei dreistöckige Fabrikgebäude, ein Wohnhaus, ein Magazin und weitere Nebengebäude. Daraufhin wurden die anderen Räumlichkeiten, außer denen an der Promenade, aufgegeben. In diesen Jahren wurden zwischen 13.000 und 30.000 Pflüge jährlich hergestellt, die besonders nach Ost- und Südosteuropa exportiert wurden.

Nachdem 1886 und 1887 die beiden Firmengründer kurz nacheinander verstarben übernahm Wilhelms 28-jähriger Sohn Albert das Unternehmen.

1903 zog Albert mit seiner Frau und den Kindern vom Wohnhaus auf dem Firmengelände in die neu errichtete Villa Eberhardt. 1908 bekam Albert vom württembergischen König den Titel Kommerzienrat verliehen und 1923 bekam er von der Universität Hohenheim ehrenhalber den Grad eines Doktors der Agrarwissenschaft verliehen.

1910/12 wurde das Werk auf der Unteren Bleiche erweitert und erhielt einen Gleisanschluss.

Durch das Aufkommen von Traktoren in der Landwirtschaft war es nötig, auch die Pflüge an diese neuen Maschinen anzupassen. Aus diesem Grund wurde 1913 der erste Anhängepflug speziell für Traktoren hergestellt.

Nach und nach wurde das Produktprogramm nun um weitere Bodenbearbeitungsmaschinen, wie Scheibeneggen und Federzinkengrubber, erweitert.

1919 trug Albert seine Söhne als Teilhaber des Werkes ein. Als Albert 1921 aus gesundheitlichen Gründen die Unternehmensführung abgeben musste, übernahmen diese seine Söhne, insbesondere Rudolf, der das Unternehmen zum größten europäischen Hersteller von Bodenbearbeitungsgeräten ausbaute.

Durch alliierte Luftangriffe im März 1945 wurde das Ulmer Werk zerstört.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Werk wiederaufgebaut. Anschließend wurden auch zapfwellenbetriebene Geräte für Traktoren hergestellt, etwa Fräsen. Bereits 1951 erreichte Eberhardt mit 1500 Mitarbeitern wieder 50 % der Vorkriegsproduktion.

Als Rudolf Eberhardt 1961 kinderlos starb, übernahmen die beiden ältesten Söhne seines Bruders Walther, Dieter und Albert, die Geschäftsführung.

1970 geriet die Firma in Zahlungsschwierigkeiten. Um den Konkurs abzuwenden, musste sie das Stammgelände in Ulm verkaufen und die Mitarbeiterzahl drastisch reduzieren. In der wenige Kilometer von Ulm entfernten Gemeinde Elchingen versuchte man durch den Aufbau eines neuen Werkes mit 400 Arbeitsplätzen den Betrieb weiterzuführen.

 

Am 10. März 1980 musste der Liquidationsvergleich angemeldet und allen Mitarbeitern gekündigt werden. Die Namens- und Patentrechte sowie die Fertigungsanlagen für die Bodenbearbeitungsgeräte kaufte die Bidell-Gruppe auf und verlagerte die Produktion mit 230 Mitarbeitern nach Waldstetten.

1997 stieg der Umsatz auf ca. 200 Millionen Euro. In der Spitzenzeit beschäftigte die Bidell-Gruppe ca. 2000 Mitarbeiter. 1999 war die Bidell-Gruppe insolvent, und Thomas Bidell gründete mit der Konkursmasse die Eberhardt-Mengele-Productions GmbH (EMP).

Nach dem Konkurs der EMP im Jahr 2003 wurden alle Namens- und Patentrechte von der Firma Bohnacker erworben.

2006 kaufte die Eberhardt GmbH Pflugfabrik in Linthe die Firma Eberhardt Pflugfabrik von der Bohnacker AG Mengele Agrartechnik in Waldstetten.

Am 7. November 2007 meldete die Eberhardt GmbH in Linthe Insolvenz an.


Mitbegründer der "Pflugfabrik Gebrüder Eberhardt" in Ulm

 

Eberhardt, Wilhelm (66)

 * Ulm 18. Mai 1824, † Ulm 1. März 1887


Mit seinem Bruder Albert gründete Wilhelm Eberhardt 1854 die Pflugfabrik Gebr. Eberhardt in Ulm und war deren technischer Kopf, während sich der Bruder um die Buchhaltung kümmerte. Der gelernte Schmiedemeister, der sich als junger Geselle elf Jahre
auf Wanderschaft in Österreich, Belgien, Holland und England befunden hatte, beschränkte sich jedoch bei seinen Erfindungen nicht auf Pflüge (die bei Weltausstellungen wie in Moskau und Wien wiederholt hohe Auszeichnungen gewannen), sondern erhielt z.
B. 1867 ein Patent auf ein Maschinengewehr und entwickelte Brückenbauten für die Donautal- und die Bodenseebahn. Die ersten von Conrad Dieterich Magirus entwickelten Feuerlöschspritzen wurden in Werkhallen der Gebr. Eberhardt hergestellt. Wilhelm Eberhardt zählte 1863 mit seinem Bruder zu den Mitgründern der Gewerbebank Ulm. Von 1867 bis 1879 war Wilhelm Eberhardt  Mitglied des Bürgerausschusses in Ulm. Im Dez. 1879 in den Gemeinderat gewählt, gehörte Wilhelm Eberhardt diesem bis zu seinem Tod an. Er erlag im Alter von 62 Jahren einem Schlaganfall. Die Leitung der Firma ging in die Hände seines Neffen Albert Eberhardt (jun.) über.  Mitglied des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben


Mitbegründer der "Pflugfabrik Gebrüder Eberhardt" in Ulm

Albert Eberhardt sen. (67)

* 23.12.1832 in Ulm,  † 17.7.1886 in Ulm

Der gelernte Wagnermeister war mit seinem älteren Bruder Wilhelm Gründer der Pflugfabrik Gebr. Eberhardt, eines der bekanntesten Ulmer Industrieunternehmen. Ab 1854 war Albert Eberhardt mit seinem Bruder Wilhelm Plugfabrikant in Ulm und mit ihm Inhaber der neu gegründeten Firma Gebrüder Eberhardt in Ulm. Die Fabrik nahm aus kleinen Anfängen heraus einen kontinuierlichen Aufschwung und stellte hauptsächlich schmiedestählerne Pflüge aller Art, Lastfahrzeuge und Räder her. Die Brüder ergänzten sich hervorragend: der ältere Wilhelm war der Typ des Tüftlers, der sich lange nicht als Fabrikant. sondern als Handwerker sah. Albert Eberhardt oblag das Kaufmännische. 1878 lieferte die Firma das stählerne Dachgerüst für das Ulmer Münster mit Kupferbedachung. 1863 kauften die Brüder das Kielmann'sche Anwesen an der Frauenpromenade und das daneben liegende Braun'sche Anwesen, um dort eine Fabrik zu errichten. 1880 erfolgte auf dem Gelände der ehemaligen Beck'schen Papiermühle an der unteren Bleiche der Bau eines Fabrikgebäudes mit zwei- bis dreistöckigen Werkhallen. 1863 zählte Albert Eberhardt mit seinem Bruder zu den Mitgründern der Gewerbebank Ulm. Auch politisch eiferte Albert Eberhardt seinem Vater und seinem Bruder nach. 1864 War er unter den Mitgründern des Ulmer Volksvereins, aus dem später die Volkspartei hervorging. Im Dez. 1876 wurde er in den Bürgerausschuss gewählt. Albert Eberhardt starb im Alter von 53 Jahren.

 


Erster Nachfolger

Eberhardt (jun.) Albert (68)

* Ulm 7. 9. 1858, † Ulm 1.5.1931

 Er führte die Pflugfabrik Eberhardt in ihrer großen Blütezeit. Nach dem Tod seines Onkels Wilhelm Eberhardt 1887 übernahm Albert Eberhardt jun. die alleinige Leitung der Firma Gebr. Eberhardt, Maschinenfabrik Ulm. Die Firma exportierte weltweit mit Schwerpunkten in Russland, den Balkanstaaten, Südafrika und Südamerika. In den 1890er Jahren führte die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft einen verstärkten Absatz von Pflügen herbei.  Zwischen 1882 und 1895 hatte die  Firma bereits eine halbe Million Pflüge verkauft. Am 21.1.1891: Der 200000 Pflug wird bei den Gebr. Eberhardt fertiggestellt. Die Jubiläumsziffer wird mit silbernen Zahlen in den Plug eingelegt. Daneben erhielt die Firma 1894 das Monopol für die Einrichtung elektrischer Anlagen in Ulm. 1907 verlieh ihm der König von Rumänien den Titel eines Kgl. Rumänischen Hoflieferanten , 1908 König \Wilhelm II. von Württemberg den Titel Kommerzienrat. Aus diesem Anlass
Spendete Albert Eberhardt jun. 10.000 RM in die Arbeiterkranken-Unterstützungskasse. 1919 trug Albert seine Söhne als Teilhaber des Werkes ein. Als Albert 1921 aus gesundheitlichen Gründen die Unternehmensführung abgeben musste, übernahmen diese seine Söhne, insbesondere Rudolf, der das Unternehmen zum größten europäischen Hersteller von Bodenbearbeitungsgeräten ausbaute.1923 verlieh ihm die Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim den Ehrendoktortitel. Im Juni 1929 konnte im Festsaal des Saalbaus feierlich der Gründung der Firma Gebr.
Eberhardt gedacht werden. Rund 1.000 Werksangehörige feierten mit, nur der Seniorchef, Albert Eberhardt jun., konnte wegen Krankheit nicht teilnehmen und musste sich von seinem Sohn Rudolf vertreten lassen. Albert Eberhardt jun. starb mit 72 Jahren. 1900 bis 1903 Mitglied des Aufsichtsrats der Gewerbebank Ulm.

Pflugfabrik Rberhardt, Ulm


Weitere Nachfolger siehe "Chronik" oben


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