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Ulmer Wappen



Heinrich von Wagner (1891-1919)Heinrich (von) Wagner (1891-1919)(54)

* 22.9.1857 in Leonberg, † 14. 5.1925 in Bad Schachen

Heinrich Wagner war wohl in mehrerlei Hinsicht der bedeutendste Ulmer Oberbürgermeister des 19. Jahrhunderts. Zugegebenermaßen hatte er durch die fortschreitende Industrialisierung auch die vielversprechendsten Rahmenbedingungen. Aber seine visionäre Kraft, die sich in seiner expansiven Bodenpolitik und seiner erstmals im Deutschen Reich auftauchenden Idee des sozialen Wohnungsbaus mit Arbeitereigenheimen manifestierte, hatte keiner seiner Vorgänger. Die Niederlegung der Festungswälle verschaffte Ulm erst den Raum, den Wagner dann konsequent zur Stadterweiterung und zum Ausbau des Straßennetzes nutzte.
Wagners Grundidee war die Verantwortlichkeit der Gemeinde für die wachsende Arbeiterschaft. Er wollte die Arbeiterwohnungsfürsorge nicht allein privater und genossenschaftlicher Initiative überlassen. Für seine bahnbrechenden sozialpolitischen Ansätze wurden ihm von der Universität Tübingen und der Universität Rostock Ehrendoktorwürden verliehen. Alle Projekte Wagners aufzuführen, würde wohl diesen Rahmen sprengen, aber die Anlegung der Weststadt, die Einführung der Straßenbahn, diverse Schulhausbauten und die neue Donaubrücke haben ihre Spuren bis in die heutige Zeit hinein hinterlassen. Die Verbindungsstraße zwischen Ulm und dem 1905 eingemeindeten Söflingen trägt bis heute seinen Namen. 1919 wurde er nach mehreren vergeblichen Bitten schließlich aus dem Amt entlassen. Eine gewisse Amtsmüdigkeit, die Umwälzungen der Nachkriegszeit und die Einführung der Republik veranlassten den kaisertreuen und mit persönlichem Adel versehenen Wagner letztlich zum Rücktritt. Von 1920 bis zu seinem Tod war Heinrich Wagner Verbandsvorsteher des neu gegründeten Württembergischen Sparkassen- und Giroverbandes.
 
 
 
Lebensweg Heinrich (von) Wagner (55)
 
Als Sohn eines Posamentiers (Bortenmachers) und Leonberger Gemeinderates studierte Heinrich Wagner 1879 bis 1881 Staatswissenschaften in Tübingen. Über Stationen als Amtmann in Blaubeuren, Crailsheim und Münsingen kam Wagner 1885 bis 1887 als Polizeiamtmann nach Blaubeuren und wechselte 1887 als Polizeiamtmann nach Ulm. Nach dem Rücktritt des Ulmer Oberbürgermeisters Karl von Heim wurde er 1891 zu dessen Nachfolger gewählt, zunächst als Stadtschultheiß, ab 1892 erhielt Wagner offiziell den Oberbürgermeister-Titel.
 
 
Ehrungen
1893 Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichs-Ordens
1905 Ehrenkreuz des Württembergischen Kronordens, mit dem der Personaladel verbunden war.
Silberne Karl-Olga-Medaille
Königlich Preußischer Kronorden, IV. Klasse
Ehrenkreuz 3. Klasse des Fürstlich Hohenzollerischen Hausordens
Ritterkreuz 4. Klasse des Königlich Bayerischen Verdienstordens vom heiligen Michael
1916 Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen
1919 Ehrendoktorwürde der Universität Rostock
1919 Anlässlich seiner Verabschiedung erhielt Heinrich von Wagner die Ehrenbürgerwürde Ulms