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Ulmer Wappen

Ch. L. WolbachChristoph Leonhard von Wolbach (1819-1844)

Literaturwerke des Ch.L. von Wolbach

Ulmische Zustände

Die Aufhebung und Ablösung der Grundabgaben

Die Vereinbarung der Königl. Württemberg. Staatsregierung mit der päpstlichen Curie

Bereits bei der ersten Wahl ihres Stadtschultheißen - der Oberbürgermeistertitel wurde ihm erst später verliehen- zeigten sich die Ulmer Bürger wenig beeindruckt von großen Namen. Es darf als Überraschung gelten, dass sich der Rechtskonsulent (Rechtsanwalt) Wolbach gegen den aus dem Ulmer Patriziat stammenden, einst von König Friedrich als "Bürgermeister" eingesetzten Christoph von Wölkern durchsetzen konnte. Der gebürtige Ulmer Wolbach war bereits 1817 zum Obmann des Bürgerausschusses gewählt worden und besaß dadurch durchaus eine Art demokratischer Legitimation und Volksnähe. Zum Ulmer "Establishment" gehörte er als Sohn eines Schreibers in jener Zeit allerdings nicht, vom Stadtadel ganz zu schweigen.

Große Infrastrukturmaßnahmen oder gar visionäre Städteplanung gab es zu Wolbachs Zeiten nicht. In seine Amtszeit fielen das Ende der die Stadt einschnürenden Zollschranken auf der Donaubrücke, die Grundsteinlegung für die Bundesfestung, der Abbruch der Stadttore und der Bau der neuen Herdbrücke. Nach 25 Jahren Amtszeit trat Wolbach 1844 freiwillig - angeblich aus persönlicher Verärgerung - zurück. Danach lebte er bis zu seinem Tod 1872 noch fast 30 Jahre in Ulm, in denen er wie schon zu seiner Amtszeit publizistisch tätig war.

 

Der Lebensweg Ch. Leonhard von Wolbach (31)

Die Familie der Wolbachs war zunächst in Essingen ansässig, bevor der Großvater Leonhard Wolbach 1733 nach Ulm kam, zunächst als Schneider arbeitete und danach dem Bürgermeister Adolf Friedrich Schad von Mittelbiberach diente. Aufgrund dessen Fürsprache erhielt Leonhard Wolbach 1745 das Ulmer Bürgerrecht. Von seinen Kindern überlebte nur Andreas Wolbach, der als Steueradjunkt und Salzkassier tätig war. Er verstarb jedoch kurz nach der Geburt seines Sohnes Christoph Leonhard im Jahr 1783. Nachdem Christoph Leonhards Mutter 1791 ebenfalls starb und er somit zur Vollwaise wurde, unterstützte ihn die Stadt Ulm. Von 1800 bis 1806 besuchte er das Ulmer Gymnasium und nahm danach ein Studium der Rechtswissenschaften in Landshut auf. [32] Nach seinem Studium wurde er zunächst 1811 Rechtsanwalt am Obertribunal Tübingen. Wolbach konnte 1812 wieder nach Ulm zurückkehren und kümmerte sich zunächst als Auditoriatsamtsverweser um die Rechtspflege bei dem in Ulm stationierten Militär. Später wechselte er als Oberjustizprokurat an den Obergerichtshof für den Donaukreis. [33]

Bereits während der Hungerjahre 1816/17 setzte sich Wolbach für die sozialen Belange seiner Mitbürger ein. Als es durch Missernten zu erheblichen Teuerungen der Lebensmittel kam, rief Wolbach im Intelligenzblatt zu einem Käuferstreik auf, um die Händler zu Preisnachlässen zu zwingen. (34) In dieser Zeit war der Bürgermeister und der Magistrat nicht frei gewählt, sondern wegen der Ausübung hoheitlicher Aufgaben von der Krone auf Lebenszeit ernannt. Als Gegengewicht entstanden in Württemberg Bürgerausschüsse, die zunächst Gemeindedeputierte genannt wurden. In Ulm hatte der Bürgerausschuss 18 Mitglieder, die für jeweils zwei Jahre gewählt wurden und unter dem Vorsitz eines Obmannes tagten. [35] Wolbach kandidierte erfolgreich bei der ersten Wahl im Jahr 1817 und wurde anschließend zum Obmann gewählt. [36] Der Bürgerausschuss entwickelte sich dann zu einer Kontrollinstanz des Magistrats, der sich zunehmend in Opposition zu diesem befand. Die Auseinandersetzung wurde bis Stuttgart getragen, wo die Forderung einer freien Wahl des Magistrats kein Gehör fand und die ohnehin geringen Befugnisse des Bürgerausschusses weiter beschnitten wurden. [37] 

1819 wurde in Württemberg das Amt des Schultheißen eingeführt. Anders als zuvor sollte es dazu eine freie Wahl geben, wobei es dem König vorbehalten war, von den drei Kandidaten mit den höchsten Stimmenanteilen einen für das Amt auszusuchen und auf Lebenszeit zu ernennen. Nur bei einer Zweidrittelmehrheit für einen der Kandidaten hatte der König keine Wahlfreiheit mehr. [38] In der 1819 stattfindenden Wahl traten neben Wolbach u. a. der noch von Friedrich I. berufene und noch amtierende Bürgermeister Christoph Karl Leopold von Wölkern und der ebenfalls zum Ulmer Patriziat gehörende Franz von Schad an. Wolbach gewann die Wahl deutlich mit 956 Stimmen vor von Wölkern mit 425 und von Schad mit 419 Stimmen. [39] Zwar hätte Wilhelm I. den bisherigen Amtsinhaber von Wölkern zum Schultheiß ernennen können, aber er entschied sich für den Wahlsieger, möglicherweise auch, weil ihm eine Beschneidung der Macht des Ulmer Patriziats gelegen kam. [40]

Die Amtszeit Wolbachs gestaltete sich eher ruhig. Während seiner Amtszeit fiel die Zollschranke auf der Donaubrücke weg, das Herdbrucker-, Frauen- und Glöcklertor wurden abgebrochen, [41] die neue Herdbrücke wurde errichtet, der Grundstein für die Bundesfestung Ulm wurde gelegt [42] und mit den Ausbauarbeiten am Münster wurde begonnen. [41] Als er sich bemühte, für seinen Sohn die Zulassung einer fünften Apotheke in Ulm zu erreichen, kam es zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit dem Apotheker Carl Reichard. Am Ende konnte Wolbach sich zwar mit der Einrichtung der neuen Apotheke durchsetzen (die Hirschapotheke), die jedoch nicht wie erhofft von seinem Sohn geführt wurde, sondern dem Provisor der königlichen Hofapotheke in Stuttgart überlassen wurde. 1844 trat Wolbach zurück. Der Rücktritt wird mit der Verärgerung über diese Auseinandersetzung in Verbindung gebracht, [43] er selbst nannte in einem Leserbrief an die Ulmer Schnellpost 1861 jedoch ein Gehörleiden als Grund. [44]

Wolbach erhielt danach von der Stadt eine lebenslange Pension in Höhe von 1.200 Gulden jährlich [44] und blieb weiterhin publizistisch tätig. [41] 1846 und 1847 versuchte er noch vergeblich, sich in den Gemeinderat wählen zu lassen. Möglicherweise wurde ihm von der Bevölkerung der frühe Rücktritt verübelt. [45]


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